WINDKRAFT ANGEKOMMEN IN DER STADT

WINDKRAFT ANGEKOMMEN IN DER STADT

LICHTENBERGER UNTERNEHMEN ENTWICKELTE WINDRÄDER FÜR URBANE GEBIETE 10.10.2015
Marzahn / Hohenschönhausen. Ein Windrad im Testbetrieb läuft seit dem vergangenen Spätsommer im Gewerbegebiet Marzahn am Nordring 13, direkt neben dem BSR Recyclinghof. Und bald könnte es – keine zweieinhalb Kilometer Luftlinie entfernt – im Hohenschönhausener Gewerbegebiet Marzahner Straße / Plauener Straße noch ein zweites geben. LiMa+ fragte beim Leiter des Stadtentwicklungsamtes Lichtenberg Klaus Güttler-Lindemann nach. Der bestätigte, dass es eine Anfrage der im Gewerbegebiet ansässigen enbreeze GmbH gibt, eine Windenergieanlage auf dem Grundstück Marzahner Straße 36 aufzustellen. „Uns liegt jedoch noch kein Antrag vor“, so Güttler-Lindemann. Das Bezirksamt hat den Ausschuss für ökologische Stadtentwicklung auf seiner Sitzung am 1. Oktober über das Vorhaben informiert. „Es handelt sich um eine einzelne geplante Anlage, nicht um einen Windpark in der Stadt“, versicherte der Amtsleiter.

TECHNIK KANN AUCH SCHÖN SEIN

Das als Forschungsprojekt deklarierte Windrad ist sicher auch Referenzobjekt und Aushängeschild für das Unternehmen, das Kleinwindanlagen entwickelt und produziert. In Marzahn kann man das Pilotexemplar von der Straße aus bewundern. Sofort fällt auf, dass es schicker als herkömmliche Windräder aussieht. Die Flügel und die Nabe sind farbig gestaltet, die Anlage ist kleiner als üblich. Der technische Leiter der enbreeze GmbH, Jan Dabrowski, hat die genauen Zahlen: Die Nabenhöhe beträgt nur 22 Meter und der Rotordurchmesser gerade einmal elfeinhalb Meter. (Herkömmliche Windkraftanlagen haben Höhen von 140 bis 180 Meter und Rotordurchmesser von 80 bis 150 Meter.)

GERÄUSCHARM MIT HOHEM WIRKUNGSGRAD

„Die Erprobung der Testanlage verläuft erfolgversprechend“, sagte Jan Dabrowski, der den Prototyp mit entwickelt hat. „Wir haben die Profilführung des Rotorblattes speziell für niedrige und stark wechselnde Windgeschwindigkeiten in Bodennähe gebaut“, informierte er. Neben einem ansprechenden, fast filigranen Design sei es so auch gelungen, die Geräuschemissionen auf unter 45 Dezibel zu drücken. Das entspricht etwa der Lautstärke in einem Wohnviertel ohne Straßenverkehr. Dadurch sei das Windrad in Leichtbauweise auch in urbanen Mischgebieten einsetzbar, wo Wohnen und Gewerbe nachbarschaftlich existierten. Eine weitere Besonderheit ist die hydraulische Kippvorrichtung, mit der der Turm zu Wartungszwecken problemlos umgelegt werden kann. Hinzu kommt ein aerodynamischer Spitzenwirkungsgrad von 52 Prozent. „Der Generator liefert bis zu 30.000 Kilowattstunden pro Jahr, eine Energiemenge, die ausreicht, um sechs bis acht Haushalte damit bedarfsdeckend zu versorgen“, meint der Ingenieur nicht ohne Stolz. Es gebe bereits viele Anfragen von Interessenten der kleinen Windenergieanlage.

VORHABEN PASST GUT ZUM KLIMASCHUTZ

Das junge Cleantech-Unternehmen zog im April 2014 von Köln nach Berlin und fand mit dem Lichtenberger Traditionsunternehmen Elpro GmbH in der Nachbarschaft schnell einen strategischen Partner. Acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern tüfteln seither in Hohenschönhausen an der Energiegewinnung der Gegenwart und näheren Zukunft: Die Kleinwindanlagen sollen eine günstige und dezentrale Energieversorgung möglich machen. Sauber!

Lichtenberg hat sich mit dem 2010 von der Bezirksverordnetenversammlung beschlossenen berlinweit ersten Klimaschutzkonzept das Ziel gesetzt, die Kohlendioxid-Emissionen bis 2020 erheblich zu reduzieren. Wie die Klimaschutzbeauftragte des Bezirks Kirsten Schindler sagte, sollen Anfang November dazu konkrete Maßnahmen vorgestellt werden. „Die geplante Errichtung eines Windrades bei uns finde ich gut, denn sie ist ein Beitrag zur sauberen Energieerzeugung“, so Schindler. Windenergie deckt deutschlandweit mittlerweile über sechs Prozent des Strombedarfs. Damit ist sie schon jetzt die wichtigste erneuerbare Energiequelle.


Link des Ursprungsartikels:
http://www.lichtenbergmarzahnplus.de/windkraft-angekommen-in-der-stadt/

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