Großes Potenzial für ein kleines Windrad

Großes Potenzial für ein kleines Windrad

Eine innovative Kleinwindanlage hilft der Landwirtschaft

Die eigene, dezentrale Energieversorgung wird für die Landwirtschaft immer bedeutender. Auf der Agra in Leipzig zeigt das junge Unternehmen enbreeze jetzt eine innovative Windanlage, mit der die Betriebe ihren eigenen Strom produzieren können. Für Windstrom sind also keine riesigen Rotoren nötig. Deren Anblick und Geräusche stört viele Menschen, zudem sind Genehmigungen immer schwerer zu erhalten.

Enbreeze hat in Jahre langer Forschungsarbeit eine unauffällige Kleinwindanlage entwickelt, die fast überall stehen kann, sogar in der Nähe von Städten und Dörfern. Sie ist bis zur Rotorspitze weniger als 30 Meter hoch, liefert aufgrund ihrer ausgeklügelten Technik dennoch im Schnitt

30 000 Kilowattstunden pro Jahr. Und anders als die meisten übrigen Kleinwindräder rentiert sich die enbreeze-Anlage schon nach wenigen Jahren. Das Potenzial für diese Energieanlage ist riesig. Gerade für die Landwirtschaft bietet sie die perfekte Ergänzung zu den weit verbreiteten Photovoltaik-Anlagen: Wind bläst besonders im Winter, wenn die Sonne wenig Strom liefert – und umgekehrt. Taeseong Kim, ein renommierter Energiewissenschaftler der TU of Denmark in Kopenhagen, sieht in der deutschen Neuentwicklung deshalb sogar „einen Game-Changer für die Kleinwindenergieanlagen.“

Die Zukunft der Windenergie könnte weltweit in solchen kleineren Anlagen für die Eigenversorgung liegen. Vorausgesetzt, die Windräder arbeiten so effizient wie das neue Modell aus Berlin. Enbreeze-Chef Jacques Fischbach beschreibt den Anspruch seiner Entwickler: „Wir wollen eine Anlage bieten, die zuverlässig über 20 Jahre mit möglichst wenig Wartung Strom produziert.“

Nur für Laien sieht der Rotor aus Berlin genauso aus wie die gigantischen, an der Spitze bis zu 200 Meter hohen Anlagen auf dem Meer oder in Windparks an Land. Tatsächlich ist er aber das Ergebnis intensiver Forschungsarbeit. Enbreeze hat die gesamte Anlage exakt auf die speziellen Windverhältnisse kurz über dem Boden ausgerichtet.

Die Form der Rotorblätter, ihre mechanische Regelung, die einfache Wartung: Alles ist für einen kostengünstigen und effizienten Betrieb konstruiert. Dazu zählt auch der unkomplizierte Aufbau.

Benötigt wird hauptsächlich ein Fundament. Dort lässt sich die Anlage dann ohne größere Maschinen hydraulisch hochklappen. Aufgrund ihrer einfachen Konstruktion können Windräder in dieser Dimension an Orten arbeiten, die für Großanlagen nicht in Frage kommen. Das kann am Dorfrand ebenso sein wie direkt neben einem Betrieb. Die ersten beiden Anlagen von enbreeze wurden mitten in einem Berliner Gewerbegebiet eröffnet. Selbst bei kräftigem Wind sind die schlanken Rotoren kaum zu hören. Ideal ist die Anlage für landwirtschaftliche Betriebe mit eigener Fläche. „85 Prozent der für die Windkraft geeigneten Standorte weltweit brauchen dieses Windrad“, sagt Stephan Schwartzkopff vom Bundesverband Kleinwindenergieanlagen. Die Landwirtschaft könnte damit einen Großteil ihres Stroms selbst produzieren: dezentral, umweltfreundlich und endlich auch wirtschaftlich.

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